Threat Intelligence

Payload

Unabhängige Datenerpresser-Gruppe mit eigener Leak-Site und Babuk-basiertem Windows-/ESXi-Verschlüsseler – mit auffällig starkem Fokus auf den DACH-Raum.

Kurz erklärt

Payload ist eine seit Februar 2026 aktive Ransomware- und Datenerpressungsgruppe, die unabhängig und nicht als klassisches Ransomware-as-a-Service-Modell auftritt: Sie betreibt eine eigene Tor-Leak-Site und ein eigenes Verhandlungsportal. Der Verschlüsseler basiert auf der 2021 geleakten Babuk-Codebasis und wurde für Windows- und VMware-ESXi-Umgebungen weiterentwickelt (Double Extortion aus Verschlüsselung plus Datendiebstahl). Bemerkenswert ist die starke Betroffenheit im deutschsprachigen Raum: Nach den USA sind die Schweiz und Deutschland die am häufigsten gelisteten Länder, gefolgt von weiteren DACH-Opfern in Österreich – ein deutlich überdurchschnittlicher DACH-Fußabdruck.

Aktiv

Modell

Unabhängige Gruppe mit eigener Tor-Leak-Site und eigenem Verhandlungsportal – kein klassisches Ransomware-as-a-Service.

Auch bekannt als

Keine weiteren Aliasnamen öffentlich dokumentiert (benannt nach der Dateiendung .payload).

Gegründet

Februar 2026

Entstanden aus

Basiert auf der im September 2021 geleakten Babuk-Codebasis; die ursprüngliche HC-128-Verschlüsselung wurde durch ChaCha20 in Kombination mit Curve25519-Schlüsselaustausch ersetzt.

Herkunft

nicht eindeutig zugeordnet

Zielsektoren

Fertigung/Industrie, Unternehmensdienstleistungen, Konsum- und Endkundendienste, Energie sowie Tourismus und Hotellerie; branchenübergreifend bei mittelständischen und größeren Organisationen.

Zielregionen

Global über rund 35 Länder, mit ausgeprägtem DACH-Schwerpunkt: Nach den USA zählen die Schweiz und Deutschland zu den am häufigsten gelisteten Ländern, Österreich ist ebenfalls mehrfach betroffen.

Typisches Lösegeld

nicht öffentlich beziffert

Opferzahl

Rund 69 gelistete Opfer in ~35 Ländern (Stand: Juli 2026)

File Extensions

.payload

Ransom Note

Zwei Erpresserschreiben-Varianten dokumentiert; der genaue Dateiname der Ransom-Note ist nicht öffentlich dokumentiert.

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Betroffene Systeme sofort isolieren (Netz trennen), aber nicht ausschalten, um flüchtige Spuren und Schlüsselmaterial im Speicher zu erhalten.
  • ESXi-Hosts und Backup-Infrastruktur vom Netz nehmen und deren Zugangsdaten als kompromittiert behandeln – separat neu setzen.
  • Offline- bzw. unveränderliche Backups auf Integrität prüfen und vor weiterem Zugriff schützen, bevor eine Wiederherstellung beginnt.
  • Zentrale Log-Quellen (SIEM) sichern, da lokale Windows-Ereignisprotokolle durch die Schadsoftware gelöscht werden.
  • Incident-Response-Team einbinden und – sofern meldepflichtig – Datenschutzbehörde bzw. betroffene Personen fristgerecht informieren.
  • Kein direkter Kontakt und keine Zahlung ohne professionelle IR-Begleitung; forensische Beweissicherung vor jeder Bereinigung.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Betroffene Server nicht vorschnell neu starten oder neu aufsetzen – dabei gehen forensische Spuren und ggf. Wiederherstellungschancen verloren.
  • Keine Wiederherstellung auf noch kompromittierte Systeme; erst Ursache und Persistenz beseitigen.
  • Backups nicht mit denselben (potenziell kompromittierten) Domänen- oder Admin-Konten verbinden, die der Angreifer nutzen konnte.
  • Lösegeld nicht eigenmächtig und ohne IR-/Rechtsberatung zahlen – eine Entschlüsselung ist nicht garantiert.
  • Interne Kommunikation nicht über möglicherweise mitgelesene Kanäle (kompromittiertes AD/E-Mail) führen – auf Out-of-Band-Kommunikation ausweichen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögert melden – gesetzliche Meldefristen beachten.

Bekannte Angriffe

  • Deutschland (u. a.): Tofutown, G. Theodor Freese, Franziskusschule Wilhelmshaven, Caravaning City
  • Österreich (u. a.): Roofinox, b3-bruck.at, Tscherne Consulting Steuerberatung
  • Schweiz (u. a.): Mosaic Partners, ENB Versicherungen
  • Insgesamt rund 69 gelistete Opfer in etwa 35 Ländern, mit deutlichem DACH-Schwerpunkt (Stand: Juli 2026)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Erstzugang: nicht öffentlich dokumentiert; bei einem Teil der Opfer korrelieren die Vorfälle mit zuvor durch Infostealer kompromittierten Zugangsdaten (Hinweis, kein bestätigter Einbruchsvektor).
  • Verteidigung umgehen / Anti-Forensik:
    • Abschalten von Event Tracing for Windows (ETW) durch Patchen von ntdll.dll-Funktionen (T1562.006 – Impair Defenses: Indicator Blocking)
    • Löschen sämtlicher Windows-Ereignisprotokolle nach der Verschlüsselung (T1070.001 – Clear Windows Event Logs)
    • Selbstlöschung des Binaries über NTFS-Alternate-Data-Stream-Technik ohne Kindprozesse oder Temp-Dateien
  • Wiederherstellung verhindern: gezieltes Anvisieren von Backup-Diensten wie Veeam, Acronis und BackupExec (T1490 – Inhibit System Recovery)
  • Auswirkung:
    • Verschlüsselung von Windows- und VMware-ESXi-Systemen mit ChaCha20 + Curve25519; Dateien über 2 GB werden zu ~20 % in verteilten 1-MB-Blöcken (intermittierend) verschlüsselt (T1486 – Data Encrypted for Impact)
    • Datendiebstahl mit anschließender Veröffentlichung auf eigener Leak-Site (Double Extortion)

Technologie & Malware

Payload nutzt einen von der geleakten Babuk-Codebasis abgeleiteten Verschlüsseler in Windows- und Linux-/VMware-ESXi-Varianten. Die ursprüngliche HC-128-Verschlüsselung wurde durch das ChaCha20-Stromchiffre in Kombination mit einem Curve25519-Schlüsselaustausch ersetzt, wobei pro Datei ein frisches Schlüsselpaar und eine 12-Byte-Nonce erzeugt werden. Die kompakte Linux-Variante (rund 40 KB) zielt vor allem auf ESXi ab: Sie liest VMware-Konfigurationsdateien aus, lokalisiert die virtuellen Festplattenabbilder und verschlüsselt diese direkt. Unabhängige Analysen fanden keine kryptografischen Schwächen oder Hintertüren.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Dateiendung verschlüsselter Dateien: .payload
  • Mutex (Single-Instance-Sperre): MakeAmericaGreatAgain
  • Verhaltensbasiert: Patchen von ETW-Funktionen in ntdll.dll, flächiges Löschen der Windows-Ereignisprotokolle, Manipulation von Veeam-/Acronis-/BackupExec-Diensten
  • Weitere netzwerkbezogene IOCs (IP-Adressen, Onion-Domains): nicht abschließend öffentlich dokumentiert

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Sind ESXi-Hosts gehärtet (Lockdown-Modus, deaktiviertes SSH, restriktives Management-Netz) und vom übrigen Netz segmentiert?
  • Existieren offline- bzw. unveränderliche (immutable) Backups, die von den produktiven Systemen und Backup-Konten getrennt sind – und werden Wiederherstellungen regelmäßig getestet?
  • Sind Backup-Dienste wie Veeam, Acronis und BackupExec durch eigene Zugangsdaten, MFA und Netzsegmentierung geschützt, sodass sie nicht mit kompromittierten Domänenkonten deaktiviert werden können?
  • Werden Windows-Ereignisprotokolle und ESXi-Logs zentral (SIEM) außerhalb der Endgeräte gesammelt, damit das lokale Löschen von Logs nicht die Sichtbarkeit zerstört?

Wie Argos unterstützt

Das Cyber Defense Center von Argos Security überwacht Ihre Windows- und Virtualisierungsumgebungen rund um die Uhr (24/7) auf genau die Verhaltensmuster, die für Payload typisch sind – etwa Manipulation von Backup-Diensten, Abschalten von Event Tracing und Löschen von Ereignisprotokollen. Wir härten ESXi- und Backup-Infrastruktur, richten unveränderliche Sicherungen ein und etablieren belastbare Wiederherstellungsprozesse. Im Ernstfall greift unser Incident-Response-Team remote in ≤ 30 Minuten ein, um Ausbreitung zu stoppen, Beweise zu sichern und die Wiederherstellung zu steuern.