Threat Intelligence

SafePay

Erst Ende 2024 aufgetaucht, kletterte SafePay 2025 rasant in die Spitzengruppe der Ransomware-Akteure.

Kurz erklärt

SafePay ist eine Ende 2024 aufgekommene Ransomware-Operation, die 2025 durch eine hohe Zahl gelisteter Opfer auffiel. Der Einstieg erfolgt häufig über gültige Zugangsdaten und RDP; anschließend Datendiebstahl und Verschlüsselung (Double Extortion).

Aktiv

Modell

Privates Kollektiv (zentral geführt, kein klassisches RaaS)

Auch bekannt als

SafePay Ransomware

Gegründet

2024

Entstanden aus

Nutzt geleakten LockBit-3.0-Quellcode (Bezüge zu ALPHV & INC)

Herkunft

Osteuropa (vermutet); nutzt LockBit-3.0-Codebasis

Zielsektoren

Industrie/Fertigung (stark), IT-Dienstleister, MSPs, KMU

Zielregionen

USA (~40 %), Deutschland (~20 %), UK, Kanada, global

Typisches Lösegeld

50.000 – 2 Mio. USD

Opferzahl

502 Opfer in 45 Ländern (Juni 2026). Deutschland stark betroffen: 24 % aller dt. Ransomware-Opfer in Q1 2025

File Extensions

.safepay

Ransom Note

readme_safepay.txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Fern-/VPN-Zugänge sperren und MFA erzwingen – SafePay kommt über VPN-Fehlkonfiguration und gestohlene Zugänge.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren; Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Verdächtige „IT-Support“-Anrufe (Teams/Quick Assist) nicht zulassen – SafePay nutzt Impersonation.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Ingram Micro (Juli 2025, großer IT-Distributor, 3,5 TB gedroht)
  • Conduent (Feb. 2025, 8,5 TB gedroht)
  • Mehrere DACH-Industrieunternehmen (2024–2025)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: gestohlene/gekaufte Zugänge (IABs, Infostealer), RDP-Brute-Force, FortiGate-SSL-VPN-Fehlkonfiguration (MFA-Bypass); Ingram Micro via GlobalProtect-VPN.
    • Social Engineering: IT-Impersonation via Microsoft Teams, Missbrauch von ScreenConnect/Quick Assist
    • MITRE: T1078, T1190, T1219
  • Vorgehen: QDoor-Backdoor, UAC-Bypass (CMSTPLUA – LockBit-3.0-Erbe), Mimikatz, ShareFinder, PsExec.

Technologie & Malware

Verschlüsselung: ChaCha20 (LockBit-Black-Linie), teils AES; pro Datei eindeutiger Schlüssel, per RSA/X25519 geschützt. Intermittierend, 65-Byte-Footer je Datei. Kein bekannter Decryptor.

Endung: .safepay. C2: Tor + TON (The Open Network).

Besonderheit: zentral geführt – eine Gruppe steuert Intrusion, Verschlüsselung, Verhandlung und Leak; gezieltes MSP-Targeting.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extension: .safepay
  • Ransom Note: readme_safepay.txt
  • C2-IPs: 45.91.201.247, 77.37.49.40, 80.78.28.63, 88.119.167.239
  • Tools: QDoor, ScreenConnect, ShareFinder.ps1; Herkunft LockBit-3.0-Leak

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • RDP nie ungeschützt exponieren; MFA erzwingen
  • Überwachung auf verdächtige Anmeldungen und LOLBins
  • Least Privilege und Netzwerksegmentierung
  • Offline-Backups

Wie Argos unterstützt

Identity-Monitoring und verhaltensbasierte 24/7-Erkennung im Cyber Defense Center fängt neue, signaturarme Gruppen wie SafePay früh ab.