Threat Intelligence

RansomHub

Als LockBit und ALPHV wegbrachen, sammelte RansomHub deren Affiliates ein – und wurde binnen Monaten zu einer der aktivsten Ransomware-Operationen.

Kurz erklärt

RansomHub ist eine Ransomware-as-a-Service-Plattform, die 2024 startete und gezielt erfahrene Affiliates zerschlagener Gruppen (LockBit, ALPHV/BlackCat) anwarb – mit ungewöhnlich hohen Gewinnbeteiligungen. Das Ergebnis: professionelle Angreifer, eingespielte Werkzeuge, hohe Schlagzahl über alle Branchen hinweg.

Historisch

Modell

RaaS (aggressiv: bis 90 % Provision für Affiliates)

Auch bekannt als

RansomHub (RaaS)

Gegründet

Februar 2024

Entstanden aus

Kaufte die Codebasis von Knight Ransomware; nahm ALPHV-Affiliates nach dem BlackCat-Zusammenbruch auf

Herkunft

Osteuropa (vermutet), evtl. Bezug zu Knight/Cyclops-Operatoren

Zielsektoren

Gesundheitswesen, kritische Infrastruktur, Wasserversorgung, Finanzwesen

Zielregionen

USA (primär), DACH, UK, global

Typisches Lösegeld

100.000 – 10 Mio. USD

Opferzahl

2024 eine der aktivsten Gruppen; Infrastruktur seit April 2025 offline

File Extensions

zufällige 6-stellige Endung je Opfer

Ransom Note

README_[Kennung].txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Change Healthcare (mit ehemaligen ALPHV-Affiliates)
  • US-Wasserversorger (2024)
  • Christie's Auktionshaus (Mai 2024)
  • Rite Aid

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Exploits, Spearphishing und Password Spraying.
    • CVE-2023-3519 (Citrix NetScaler), CVE-2023-27997 (FortiOS), CVE-2023-46604 (Apache ActiveMQ), CVE-2023-22515 (Confluence), CVE-2023-46747 (F5 BIG-IP), CVE-2017-0144 (EternalBlue)
    • MITRE: T1190, T1566.002, T1110.003
  • Persistence: Anlegen privilegierter Konten (T1136).

Technologie & Malware

Sprache/Plattform: GoLang (Windows/Linux), C++ (ESXi); täglich neu gebaut mit AST-Obfuskation gegen Signaturen. Ziele: Windows, Linux, ESXi, FreeBSD, MIPS.

Verschlüsselung: X25519 (asymmetrisch, je Opfer) + AES-256; ESXi-Variante nutzt PowerShell gegen vCenter, aktiviert SSH und setzt das Root-Passwort zurück.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extension: zufällige 6-stellige Endung
  • Ransom Note: README_[Kennung].txt
  • Ausgenutzte CVEs: CVE-2023-3519, CVE-2023-27997, CVE-2023-46604, CVE-2023-22515, CVE-2017-0144
  • Nachfolge: Affiliates v. a. zu Qilin; DragonForce-„Kartell“

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Grundhygiene konsequent: MFA, Patch-Management, minimale Rechte
  • Erkennung von Datenexfiltration – vor der Verschlüsselung ist der Datenabfluss das Warnsignal
  • EDR-Abdeckung auf allen Endpunkten und Servern, inklusive Alarme außerhalb der Bürozeiten
  • Incident-Response-Plan mit geübten Meldewegen (DSGVO 72h, NIS2 24h)

Wie Argos unterstützt

24/7-Überwachung im Cyber Defense Center, Managed XDR zur frühen Eindämmung und Incident Response mit ≤ 30 Minuten Reaktionszeit remote.