Threat Intelligence

Play

Play (auch „PlayCrypt“) attackiert seit 2022 bevorzugt Mittelstand und öffentliche Einrichtungen – über Schwachstellen in exponierten Randsystemen wie Firewalls und Exchange.

Kurz erklärt

Play ist eine Ransomware-Gruppe, die international hunderte Organisationen getroffen hat – mit auffällig vielen Fällen im Mittelstand, bei Kommunen und Versorgern, auch im deutschsprachigen Raum. Die Gruppe nutzt bekannte Schwachstellen in Firewalls, VPNs und Exchange-Servern, exfiltriert Daten und verschlüsselt anschließend (Double Extortion).

Aktiv

Modell

Privates, zentral gesteuertes Kollektiv (kein klassisches RaaS)

Auch bekannt als

PlayCrypt

Gegründet

2022

Entstanden aus

Keine bekannte Verbindung zu anderen Gruppen

Herkunft

Unbekannt (Lateinamerika vermutet, evtl. Brasilien/Argentinien)

Zielsektoren

Gesundheitswesen, Recht, Immobilien, Fertigung, IT, Behörden

Zielregionen

USA, DACH, Frankreich, UK, Australien

Typisches Lösegeld

Keine öffentlichen Forderungen; Verhandlungen privat

Opferzahl

Top-10-Gruppe; hunderte Opfer seit 2022 (Stand: Juni 2026)

File Extensions

.play

Ransom Note

PLAY_README.txt / ReadMe.txt (nur E-Mail-Kontakt, kein Tor-Portal)

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Stadt Córdoba, Argentinien (Aug. 2022)
  • Rackspace (Dez. 2022, Exchange-Angriff)
  • Stadt Oakland (Feb. 2023, Notstand ausgerufen)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Exploits gegen exponierte Systeme.
    • FortiOS SSL-VPN (CVE-2018-13379, CVE-2020-12812), MS Exchange ProxyNotShell (CVE-2022-41040/41082) und OWASSRF, Cisco ASA
    • SimpleHelp RMM (CVE-2024-57726/57727/57728) zum Ausrollen des Sliver-Beacons
    • Gekaufte Zugänge über Initial Access Broker; exponiertes RDP (T1190, T1078, T1133)
  • Verschlüsselung: Intermittierende Verschlüsselung (Datei-Chunks) für Tempo und Tarnung.

Technologie & Malware

Verschlüsselung: AES-256 mit RSA-4096-Schutz; Fallback ChaCha20 ohne AES-NI. Intermittierende Verschlüsselung (0x100000-Byte-Chunks) umgeht Verhaltenserkennung.

Ziele: Windows und VMware ESXi (/vmfs/volumes/). Endung .play.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extension: .play
  • Ransom Note: PLAY_README.txt / ReadMe.txt
  • Ausgenutzte CVEs: CVE-2022-41040/41082 (ProxyNotShell), CVE-2018-13379 (FortiOS), CVE-2024-57726/57727/57728 (SimpleHelp)
  • Tools: Sliver, Cobalt Strike, SystemBC

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Patch-Stand aller Internet-exponierten Systeme – Firewalls, VPN, Mail
  • Härtung von Exchange (oder Migration) und Deaktivierung von Alt-Protokollen
  • Segmentierung: kompromittierte Randsysteme dürfen nicht direkt ins Backend führen
  • Getestete Offline-Backups und geübter Wiederanlauf kritischer Prozesse

Wie Argos unterstützt

Managed Firewall und Schwachstellen-Management schließen die Einstiegswege, das Cyber Defense Center erkennt Play-typische Muster 24/7 – und der IR-Retainer sichert priorisierte Hilfe im Ernstfall.