Threat Intelligence

Maze

Maze erfand die Double Extortion – das Erpressungsmodell, das die gesamte Branche bis heute prägt.

Kurz erklärt

Maze war 2019–2020 eine Ransomware-Gruppe, die als erste die „Double Extortion“ populär machte: Daten vor der Verschlüsselung zu stehlen und mit deren Veröffentlichung zu drohen. Ende 2020 stellte Maze den Betrieb offiziell ein – doch das Erpressungsmodell wurde zum Standard nahezu aller Nachfolger.

Historisch

Modell

RaaS (Pionier)

Auch bekannt als

Maze, ChaCha Ransomware, Twisted Spider, TA2101

Gegründet

2019

Entstanden aus

Eigenentwicklung; Vorgänger von Egregor

Herkunft

Russland/Osteuropa (vermutet)

Zielsektoren

Gesundheitswesen, Fertigung, IT, Recht, Regierung

Zielregionen

USA, UK, DACH, global

Typisches Lösegeld

1 – 15 Mio. USD

Opferzahl

100+ Organisationen; Maze/Egregor-Kartell: 75+ Mio. USD. Inaktiv seit November 2020

File Extensions

zufällige Endung je Opfer

Ransom Note

DECRYPT-FILES.txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Datenabfluss eingrenzen – Maze prägte die Double Extortion (Datendiebstahl + Verschlüsselung).
  • Vorfall dokumentieren; Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – für eine Archivierung/spätere Analyse aufbewahren.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Cognizant (Apr. 2020, 50–70 Mio. USD Schaden)
  • Canon (Aug. 2020, ~10 TB Daten)
  • Xerox (Juli 2020); Pemex Mexiko (Nov. 2019)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Spearphishing mit Makro-Dokumenten, Exploit-Kits (Spelevo/Fallout), RDP/Citrix, VPN-Exploits.
    • CVE-2019-11510 (Pulse Secure), CVE-2018-8174 (IE), Flash CVE-2018-15982/4878
    • MITRE: T1133, T1078, T1566
  • Vorgehen: Mimikatz, BloodHound, Procdump; AV per Batch-Skript abschalten.

Technologie & Malware

Verschlüsselung: ChaCha20 (Datei) + RSA-2048 (pro Datei + Master-Key). Keine Master-Keys bei Shutdown veröffentlicht.

Sprache: C/C++ (32-Bit PE, EXE/DLL). Plattformen: nur Windows.

Historisch bedeutend: Erfinder der Double Extortion und der öffentlichen Leak-Seite (Dez. 2019) – das Modell, das heute jede große Gruppe nutzt. Bildete das erste Ransomware-„Kartell“.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Ransom Note: DECRYPT-FILES.txt
  • Tracking: Twisted Spider (CrowdStrike), TA2101 (Proofpoint)
  • Nachfolge: Egregor (Affiliates ab Sep. 2020)
  • Historie: Shutdown 1. Nov. 2020

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Datendiebstahl-Erkennung, nicht nur Verschlüsselungsschutz
  • Datensparsamkeit und Klassifizierung sensibler Daten
  • MFA, Patch-Management, Offline-Backups

Wie Argos unterstützt

Das Cyber Defense Center erkennt Exfiltration vor der Verschlüsselung – genau den Schritt, den Maze zum Standard machte.