Threat Intelligence

Lynx

Lynx teilt sich viel Code mit INC Ransom – und nimmt gezielt kleine und mittlere Unternehmen ins Visier.

Kurz erklärt

Lynx ist eine 2024 aufgetauchte Ransomware-as-a-Service-Operation mit deutlichen Code-Überschneidungen zu INC Ransom. Die Gruppe greift vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen an und setzt auf Double Extortion mit öffentlicher Leak-Site.

Aktiv

Modell

RaaS (Ransomware-as-a-Service)

Auch bekannt als

Lynx Ransomware (INC-Ransom-Nachfolger)

Gegründet

Juli 2024

Entstanden aus

Nachfolger/Ableger von INC Ransom (Code-Überschneidung ~90 %)

Herkunft

Unbekannt; Codebasis von INC Ransom

Zielsektoren

Gesundheitswesen (~29 %), Fertigung, Bildung, Regierung, Finanzwesen

Zielregionen

USA (~52 %), UK, Kanada, DACH, global

Typisches Lösegeld

100.000 – 5 Mio. USD

Opferzahl

414 Opfer in 48 Ländern (Juni 2026); ununterbrochen aktiv seit Juli 2024

File Extensions

.lynx

Ransom Note

README.txt (+ 116-Byte-LYNX-Marker je Datei)

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Bei MSP-Anbindung: Downstream-Kunden warnen – Lynx nutzt MSPs als Einfallstor.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Lee Enterprises Mediengruppe (2025)
  • Electrica Group Rumänien (Dez. 2024, größter Stromversorger, 3,8 Mio. Kunden)
  • Springfield Water and Sewer Commission (März 2025, KRITIS Wasser)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Phishing, gestohlene Zugänge (IABs), exponierte Fernzugänge, Exploits.
    • MITRE: T1566, T1078, T1133, T1190
  • Vorgehen: Restart-Manager-API zum Entsperren offener Dateien, SeTakeOwnership-Token-Manipulation, Schattenkopien löschen; versucht AV/EDR zu deinstallieren, Safe-Mode-Boot zur Umgehung.

Technologie & Malware

Verschlüsselung: AES-128-CTR + Curve25519 (ECDH), Schlüssel via SHA512. 116-Byte-Marker je Datei. Modi: Fast/Medium/Slow/Entire (5–100 %).

Sprache: C++ (Windows), zusätzlich Linux x64/ARM/MIPS/PowerPC, ESXi – „All-in-One-Archiv“ für Affiliates.

Endung: .lynx. Besonderheit: gezieltes MSP-Targeting als Multiplikator.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extension: .lynx
  • IOC: 116-Byte-LYNX-Marker je Datei (ECC-Key 32 B + SHA512 64 B)
  • Herkunft: INC-Ransom-Quellcode (RAMP-Forum, ~300.000 USD)
  • Advisory: CIS-Advisory (Versorger)

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • E-Mail-Security und Phishing-Awareness
  • MFA und Absicherung von Fernzugängen
  • Endpoint-Schutz mit Verhaltenserkennung
  • Offline-Backups

Wie Argos unterstützt

Managed Endpoint Protection und 24/7-Erkennung im Cyber Defense Center – zugeschnitten auf KMU; IR-Retainer für den Ernstfall.