Threat Intelligence

Hunters International

Nach der Zerschlagung von Hive tauchte Hunters International auf – mit auffällig ähnlichem Code und hoher Schlagzahl.

Kurz erklärt

Hunters International erschien Ende 2023 und wird von Analysten weithin als Nachfolge- bzw. Rebranding-Operation der 2023 zerschlagenen Hive-Gruppe eingeordnet (starke Code-Überschneidungen). Die Gruppe setzt auf Datendiebstahl und Verschlüsselung und gehörte 2024/2025 zu den aktivsten überhaupt.

Historisch

Modell

RaaS

Auch bekannt als

Hunters International (Nachfolger: World Leaks)

Gegründet

Oktober 2023

Entstanden aus

Mutmaßlich direkter Nachfolger der zerschlagenen Hive-Gruppe (Code-Ähnlichkeiten)

Herkunft

Unbekannt (Nigeria vermutet) oder internationales Kollektiv

Zielsektoren

Fertigung, Gesundheitswesen, IT-Dienstleistungen, Bildung

Zielregionen

USA, DACH, Asien, global

Typisches Lösegeld

100.000 – 2 Mio. USD

Opferzahl

2024/25 sehr aktiv; am 3. Juli 2025 Einstellung angekündigt (Nachfolger: World Leaks)

File Extensions

wechselnd; frühe Versionen .locked (v6 ohne Endung)

Ransom Note

Contact.txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Hoya Optical Labs (Apr. 2024, 10 Mio. USD gefordert)
  • IdeaLab (2024, 262 GB exfiltriert)
  • US-Navy-Zulieferer (2024)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Exploits (CVE-2024-55591 FortiOS, CVE-2020-14644 Oracle WebLogic); gestohlene Zugänge aus Infostealern/Botnets (33 % der Opfer mit Vorinfektion); Phishing.
    • SharpRhino (C#-RAT) via Typosquatting-Domäne (Fake Angry IP Scanner), erstmals Aug. 2024
    • MITRE: T1190, T1078, T1566

Technologie & Malware

Sprache: Rust (Encryptor, ähnlich Hive); SharpRhino-RAT in C#.

Verschlüsselung: AES-256 (CBC/CTR) + RSA-2048; Schlüssel in verschlüsselten Dateien eingebettet. Ab v6 (Aug. 2024) teils ohne Ransom-Note/Endung.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extension: .locked (früh); später wechselnd
  • Ransom Note: Contact.txt
  • Tools: SharpRhino (C#-RAT), Storage-Software-Exfiltration
  • Vorgänger/Nachfolger: Hive → Hunters International → World Leaks

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • MFA flächendeckend und Absicherung von Fernzugängen
  • Erkennung von Datenexfiltration vor der Verschlüsselung
  • Patch-Management für exponierte Systeme
  • Getestete Offline-Backups

Wie Argos unterstützt

Managed XDR und 24/7-Detection im Cyber Defense Center erkennen Exfiltration und laterale Bewegung früh; IR-Retainer sichert schnelle Reaktion.