Threat Intelligence

FIN7

FIN7 ist ein hochprofessioneller Cybercrime-Betrieb – vom Kassensystem-Diebstahl bis zum Ransomware-Zulieferer.

Kurz erklärt

FIN7 (Carbanak) ist eine der professionellsten finanziell motivierten Cybercrime-Gruppen. Ursprünglich auf Diebstahl von Zahlungskartendaten in Handel und Gastronomie spezialisiert, entwickelte sie sich zu einem Dienstleister- und Zuliefernetzwerk für Ransomware-Operationen – inklusive gefälschter Sicherheitsfirmen zur Rekrutierung.

Aktiv

Modell

Cybercrime-Syndikat; Malware-Entwickler & Ransomware-Enabler

Auch bekannt als

FIN7, Carbanak, Carbon Spider, Sangria Tempest

Gegründet

ca. 2013/2015

Entstanden aus

Aus der Carbanak-Bande (Banken-Raub per Malware)

Herkunft

Russland (vermutet)

Zielsektoren

Früher Einzelhandel, Gastgewerbe, Finanzwesen; heute branchenübergreifend

Zielregionen

USA, Europa (DACH), global

Typisches Lösegeld

variabel – als Zulieferer von Ransomware-Operationen (ALPHV, Black Basta, Cl0p)

Opferzahl

Milliardenschäden (POS-Ära); heute wichtiger Wegbereiter für Ransomware

File Extensions

keine eigene (liefert/ermöglicht diverse Ransomware)

Ransom Note

je nach eingesetzter Ransomware

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme isolieren, aber nicht ausschalten; Datenabfluss und laterale Bewegung eingrenzen.
  • Unbekannte USB-Geräte niemals anschließen – FIN7 verschickt präparierte BadUSB-Sticks per Post.
  • Backups offline prüfen; Vorfall dokumentieren.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Zugesandte USB-Sticks oder „Geschenke“ nicht anschließen – klassische FIN7-Masche.
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Sicherheitsprodukte nicht unbeaufsichtigt lassen – FIN7-Tools zielen gezielt auf EDR-Deaktivierung.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Massive POS-Malware-Kampagnen gegen US-Handelsketten (2015–2018)
  • Zulieferung für Ransomware-Operationen (ALPHV/BlackCat, Black Basta)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: ausgefeiltes Spearphishing, teils per Post versandte BadUSB-Sticks; gefälschte „Security-Firmen“ (Bastion Secure, Combi Security) zur Rekrutierung ahnungsloser Pentester.
    • MITRE: T1566, T1204, T1195
  • Werkzeuge: Carbanak-/Griffon-Backdoors, POWERTRAIN; AvNeutralizer/AuKill – ein an Ransomware-Gruppen verkaufter EDR-Killer (BYOVD).

Technologie & Malware

Arsenal: Carbanak, Griffon, POWERPLANT/POWERTRAIN, Tirion-Loader; AvNeutralizer (deaktiviert Sicherheitsprodukte per Vulnerable Driver).

Rolle: keine eigene Ransomware-Marke – FIN7 entwickelt Werkzeuge und liefert Zugänge/Tools an mehrere Ransomware-Operationen.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Tools: Carbanak, Griffon, AvNeutralizer/AuKill
  • Muster: BadUSB-Versand, gefälschte Security-Firmen zur Rekrutierung
  • Bezüge: ALPHV/BlackCat, Black Basta, Cl0p

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • E-Mail-Security und Awareness gegen gezieltes Phishing
  • Absicherung von Kassen-/Zahlungssystemen und Segmentierung
  • EDR mit Verhaltenserkennung

Wie Argos unterstützt

24/7-Erkennung im Cyber Defense Center und Managed XDR adressieren Phishing-Einstieg, laterale Bewegung und Ransomware-Zuarbeit.