Threat Intelligence

DarkSide

Der Colonial-Pipeline-Angriff machte DarkSide weltbekannt – und beschleunigte das eigene Ende.

Kurz erklärt

DarkSide war eine 2020 gestartete Ransomware-as-a-Service-Gruppe, die durch den Angriff auf die Colonial Pipeline (2021) und den daraus folgenden Kraftstoffengpass an der US-Ostküste weltweit bekannt wurde. Unter dem massiven Druck stellte die Gruppe kurz darauf den Betrieb ein; Teile setzten sich als BlackMatter fort.

Historisch

Modell

RaaS

Auch bekannt als

DarkSide, BlackMatter, Carbon Spider

Gegründet

August 2020 (DarkSide); August 2021 (BlackMatter)

Entstanden aus

DarkSide → BlackMatter (Rebranding nach Colonial Pipeline) → ALPHV/BlackCat

Herkunft

Russland/GUS (stark vermutet)

Zielsektoren

Energie, kritische Infrastruktur, Fertigung, Finanzwesen

Zielregionen

USA, Europa – gezielt keine GUS-Staaten

Typisches Lösegeld

200.000 – 15 Mio. USD; Colonial Pipeline: 4,4 Mio. USD gezahlt

Opferzahl

DarkSide: ~99 Opfer, 90+ Mio. USD Erlös; BlackMatter: 50+ Organisationen. Marken seit 2021 inaktiv

File Extensions

zufällige 8-stellige Endung je Opfer

Ransom Note

README.[endung].txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Bei kritischer Infrastruktur (Energie/OT): Krisenstab und Behörden frühzeitig – Colonial Pipeline zeigt die Tragweite.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Colonial Pipeline (Mai 2021, größte US-Kraftstoff-Pipeline still, 4,4 Mio. USD gezahlt, Benzinmangel Ostküste)
  • Brenntag (Apr. 2021, 4,4 Mio. USD gezahlt)
  • CNA Financial (März 2021, 40 Mio. USD)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: kompromittierte RDP-Zugänge (Hauptvektor, von IABs gekauft), Exploits gegen VPN/Firewall, Phishing mit Cobalt Strike.
    • MITRE: T1021.001, T1021.002, T1003.001
  • Defense Evasion: Sicherheits-Tools abschalten, API-Hashing, Schattenkopien löschen; Safe-Mode-Verschlüsselung zur AV-Umgehung.

Technologie & Malware

Verschlüsselung (DarkSide/BlackMatter, geteilte Codebasis): modifizierte Salsa20 (Datei) + RSA-1024 (Schlüssel); AES-128-ECB für C2. Keine externen Krypto-Bibliotheken – eigene Big-Integer-Arithmetik. Teilverschlüsselung großer Dateien.

Sprache: C/C++ (x86-32 PE). Plattformen: Windows (inkl. Safe Mode), Linux, VMware ESXi, NAS.

Besonderheit: „Ethikkodex“ (keine Krankenhäuser/Schulen); Nachfolger ALPHV wurde in Rust neu geschrieben.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Ransom Note: README.[endung].txt
  • Config-XOR-Seed (BlackMatter): 0FFCAA1Eh
  • Linie: DarkSide → BlackMatter → ALPHV/BlackCat → RansomHub
  • Historie: US-Beschlagnahme 63,7 BTC nach Colonial Pipeline; Shutdown Mai/Nov. 2021

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • IT/OT-Segmentierung – Colonial legte OT vorsorglich still
  • Notfall-/Business-Continuity-Pläne testen
  • MFA, Patch-Management, Offline-Backups

Wie Argos unterstützt

OT/IoT-Security und Business Continuity Management adressieren genau die Fragen, die der Colonial-Pipeline-Fall aufwarf.