Threat Intelligence

Cl0p

Cl0p hat die Massen-Erpressung perfektioniert: Ein Zero-Day in einer verbreiteten Datei-Transfer-Lösung – und hunderte Unternehmen sind gleichzeitig betroffen, oft ganz ohne Verschlüsselung.

Kurz erklärt

Cl0p ist eine russischsprachige Erpressergruppe, die für Massen-Kampagnen gegen Managed-File-Transfer-Lösungen bekannt ist – darunter MOVEit und GoAnywhere mit jeweils hunderten betroffenen Organisationen. Statt zu verschlüsseln, stiehlt Cl0p häufig nur Daten und erpresst mit deren Veröffentlichung.

Aktiv

Modell

Privates Kollektiv mit RaaS-Elementen

Auch bekannt als

Clop; verwandt mit TA505/FIN11

Gegründet

~2019 (als Cl0p); TA505 aktiv seit ~2014

Entstanden aus

Aus dem TA505/FIN11-Netzwerk

Herkunft

Russland/Ukraine (vermutet), enger Bezug zur TA505-Gruppe (FIN11)

Zielsektoren

Finanzwesen, Gesundheitswesen, Logistik, Energieversorgung, Behörden

Zielregionen

Global; USA, UK, DACH, Australien

Typisches Lösegeld

Selten öffentliche Forderungen – Fokus auf Massenexfiltration und Erpressung, oft ohne Verschlüsselung

Opferzahl

1.250+ gelistete Opfer; 11.000+ Organisationen seit 2019, 500 Mio. USD+ Lösegeld (Stand: Mitte 2026)

File Extensions

.clop, .C_L0P

Ransom Note

ClopReadMe.txt / README_[Kennung].txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • MOVEit-Kampagne (Juni 2023): 2.700+ Organisationen inkl. Shell, BBC, British Airways, PwC
  • GoAnywhere-Kampagne (2023): ~130 Opfer
  • Cleo-Kampagne (Dez. 2024): 350+ Opfer

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Massenhafte Ausnutzung von Zero-Days in Datei-Transfer-/Enterprise-Software.
    • Kampagnen: GoAnywhere MFT (2023), MOVEit Transfer (CVE-2023-34362, 2023), Cleo Harmony/VLTrader (2024)
    • MITRE: T1190
  • Exfiltration: Automatisierte Massen-Exfiltration tausender Datensätze in Minuten – häufig ohne Verschlüsselung.
  • Erpressung: Reine Datenerpressung über die öffentliche Leak-Site „CL0P^_-LEAKS“.

Technologie & Malware

Vorgehen: In klassischen Kampagnen Verschlüsselung mit AES + RSA (Endung .clop); zunehmend jedoch reine Datenexfiltration ohne Verschlüsselung.

Werkzeuge: über TA505 verbreitete Loader (u. a. Dridex, Truebot); eigene Webshells DEWMODE (MOVEit) und LEMURLOOT.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extensions: .clop, .C_L0P
  • Ransom Note: ClopReadMe.txt / README_[Kennung].txt
  • Webshells/Tools: DEWMODE, LEMURLOOT, Truebot, Cobalt Strike
  • Leak-Site: „CL0P^_-LEAKS“ (Tor)
  • Bezug: TA505 / FIN11

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Inventar: Welche Datei-Transfer- und Integrations-Lösungen sind im Einsatz – auch bei Dienstleistern?
  • Patch-Prozess für Internet-exponierte Anwendungen in Stunden statt Wochen
  • Monitoring auf ungewöhnliche Datenabflüsse aus Transfer-Systemen
  • Vertragliche Meldepflichten der Lieferanten bei Sicherheitsvorfällen

Wie Argos unterstützt

Schwachstellen- und Angriffsflächen-Management, 24/7-Detection im Cyber Defense Center und im Ernstfall forensische Klärung, ob und welche Daten abgeflossen sind – inklusive Meldepflichten.