Threat Intelligence

APT29 / Cozy Bear

Die Gruppe hinter SolarWinds: APT29 steht für die leisesten Angriffe der Welt – über Lieferketten und Cloud-Identitäten, oft monatelang unentdeckt.

Kurz erklärt

APT29 (Cozy Bear, Midnight Blizzard) wird dem russischen Auslandsgeheimdienst SVR zugeordnet und gilt als eine der technisch fähigsten Spionagegruppen. Bekannt durch den SolarWinds-Supply-Chain-Angriff und spätere Attacken auf Microsoft-Konzernkonten, zielt die Gruppe heute vor allem auf Cloud-Umgebungen, OAuth-Anwendungen und Identitäten – leise und langfristig.

Aktiv

Modell

Staatlicher Akteur (Spionage)

Auch bekannt als

Cozy Bear, Nobelium, Midnight Blizzard, The Dukes, Unit SVR

Gegründet

ca. 2008

Entstanden aus

Russischer Auslandsnachrichtendienst SVR

Herkunft

Russland (Auslandsnachrichtendienst SVR)

Zielsektoren

Regierung, Diplomatie, Think Tanks, IT-/Cloud-Dienstleister, Verteidigung

Zielregionen

NATO-Staaten, EU, DACH, weltweit

Typisches Lösegeld

kein Lösegeld – staatliche Spionage

Opferzahl

Hochwertige Spionageziele; u. a. SolarWinds-Lieferkette (18.000+ betroffene Organisationen)

File Extensions

keine (Spionage, keine Ransomware)

Ransom Note

keine (Spionage)

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als potenziell staatlich motivierte Spionage behandeln – Geschäftsführung und einen spezialisierten Incident-Response-Dienstleister einbinden.
  • Betroffene Systeme isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren sichern.
  • Identitätsebene prüfen: OAuth-Consents, Federation/SAML, Service-Principals und Tokens erneuern – SVR zielt auf die Cloud-Identität.
  • Out-of-Band kommunizieren; von langer Verweildauer ausgehen.
  • Meldepflichten prüfen (DSGVO, NIS2); BSI und ggf. Verfassungsschutz einbeziehen.
  • 24/7-Incident-Response und Threat Intelligence hinzuziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell neu aufsetzen, bevor Forensik und Umfang – besonders auf Identitäts-/Cloud-Ebene – gesichert sind.
  • Den Angreifer nicht vorzeitig alarmieren – koordinierten Eviction-Plan erstellen.
  • Cloud-/Federation-Kompromittierung nicht ausschließen, nur weil On-Premise sauber wirkt.
  • Interne Krisenkommunikation nicht über kompromittierbare Systeme führen.
  • IOCs nicht ungeprüft öffentlich teilen.
  • Meldepflichten nicht ignorieren.

Bekannte Angriffe

  • SolarWinds-Supply-Chain (2020, 18.000+ Organisationen)
  • Microsoft-Konzern-E-Mails (2023/24, Midnight Blizzard)
  • US-Außenministerium, DNC (2015/16)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Supply-Chain-Kompromittierung, Passwort-Spraying, gestohlene OAuth-/Cloud-Tokens, Spearphishing (auch über Microsoft Teams).
    • Missbrauch von SAML/Tokens („Golden SAML“), M365/Entra-ID-Angriffe
    • MITRE: T1195, T1110, T1550
  • Werkzeuge: SUNBURST/TEARDROP, FoggyWeb, MagicWeb; sehr disziplinierte Operationssicherheit.

Technologie & Malware

Arsenal: SUNBURST, TEARDROP, FoggyWeb, MagicWeb, WellMess/WellMail.

Stärke: Angriffe auf Identität und Cloud (Tokens, Federation) statt lauter Malware – schwer zu entdecken.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Muster: Token-/SAML-Missbrauch, OAuth-App-Consent, Passwort-Spraying
  • Tools: SUNBURST, FoggyWeb, MagicWeb
  • Historie: SolarWinds-Lieferketten-Angriff 2020

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • OAuth-App-Inventar in M365/Entra: Welche Apps haben weitreichende Berechtigungen?
  • Conditional Access und phishing-resistente MFA für alle Cloud-Konten
  • Monitoring auf ungewöhnliche Token-Nutzung und Mailbox-Regeln
  • Software-Lieferkette: Update-Quellen und Signaturen der eingesetzten Produkte

Wie Argos unterstützt

Cloud- und Identity-Monitoring im Cyber Defense Center, Threat Hunting in M365-Umgebungen und forensische Analyse bei Verdacht auf stille Kompromittierung.